Wieviel bringt die Lernsoftware von heute?
Über das Lernen wird schon seit sehr langer Zeit geforscht, es gibt unterschiedliche theoretische Ansätze, wie der Prozess eigentlich funktioniert. In moderner Software zum Lernen sind entsprechende Lösungen implementiert, das kann oft genauso gut funktionieren wie in der Schule. Einigen Lernenden hilft die Software sogar besonders effizient.
Erkenntnisse der Gehirnforschung
Man vermutet prinzipiell bei Lernprozessen drei Prinzipien: 1. die schlichte Wiederholung, 2. das Eingliedern in ein logisches (vom Gehirn zu bildendes) System und 3. die Verknüpfung von auditiven und visuellen, auch haptischen Elementen. All diese Prinzipien greift die Software auf, über die heute Lernprogramme vermittelt werden. Durch die Verbindung der Prinzipien wird der Konsolidierungsprozess beim Lernen unterstützt, die Lerninhalte sollen schließlich im Langzeitgedächtnis verankert werden.
Die amerikanischen Forscher Shiffrin und Atkinson entwickelten im Jahr 1968 das Mehrspeichermodell, das inzwischen als Klassiker der Lernforschung gilt. Nach diesem Modell erfüllt das Gedächtnis drei Funktionen: Es nimmt Informationen auf, speichert sie und ruft sie wieder ab. Zwischen Aufnahme und Speicherung wird noch selektiert, denn die meisten Informationen sind überflüssig und würden den Menschen heillos überfordern, wenn sie alle gespeichert würden. Dementsprechend unterteilten die beiden Forscher drei Gedächtnisarten, das sensorische, das Kurzzeit- (Arbeits-) und das Langzeitgedächtnis. Das Modell wird durch die Software der Lernprogramme (erfolgreich) genutzt. Das Grundprinzip: Im sensorischen Gedächtnis, auch Ultrakurzzeitgedächtnis genannt, wird in maximal sieben bis neun Sekunden entschieden, welche Relevanz eine Information hat. Nach dieser Zeitspanne wird die Information verworfen oder gelangt ins Arbeitsgedächtnis, hier findet eine Verarbeitung wahrscheinlich innerhalb von etwa drei bis fünf Minuten statt. In dieser Verarbeitungsphase wird entschieden, wo im System der menschlichen Denkmodelle die Information integriert wird (zum Beispiel im numerischen, visuellen, auditiven oder semantischen Gedächtnis). Durch mehrfaches Wiederholen relevanter Informationen gelangen diese ins Langzeitgedächtnis und werden dort verankert.
Die Nutzung des Modells durch die Software
Die Software der Lernprogramme funktioniert daher wie ein Karteikasten. Sie setzt auf die Wiederholung relevanter Lerninhalte, insbesondere beim Erlernen von Sprachen ist das sehr nützlich. Die Software ermittelt dabei eine Vergessenskurve, die auf dem Vergessensgrad pro Zeiteinheit beruht. Diese Entdeckung stammt vom deutschen Forscher Hermann Ebbinghaus. Im Allgemeinen werden beim Auswendiglernen innerhalb von 20 Minuten etwa 40 Prozent des Stoffes vergessen, innerhalb von 60 Minuten 55 Prozent. Nach einem Tag sind noch 34 Prozent des Gelernten im Langzeitgedächtnis. Die Software ermittelt nun die behaltenen und die vergessenen Inhalte und schiebt das endgültig Gelernte wie in einem Karteikasten nach hinten, das Vergessene wird immer wieder nach vorn geholt, bis es "sitzt". Diese Methode ist sehr effektiv.